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FAQ Raimund Ackermann




Raimund Ackermann

Warum machst Du diese Arbeit?
Unsere Zeit ist immer stärker auf Leistung und Konsum ausgerichtet. Das ist nicht der einzige Weg und deshalb will ich ein Zeichen setzen: Indem ich ohne Vorurteile und Berührungsängste mit Obdachlosen umgehe und sie annehme, wie sie sind. Meiner Meinung nach kann man auch ohne Luxus zufrieden sein, wenn man jenen Mitmenschen, die von allen verachtet werden, Freude und Hilfsbereitschaft schenkt.

Was ist Streetwork?
Streetwork, also Straßensozialarbeit, ist nach dem Grundsatz der "Geh-Struktur" aufgebaut. Im Gegensatz dazu arbeiten die festen sozialen Einrichtungen nach der "Komm-Struktur", was konkret bedeutet: "Helfen können wir nur denen, die zu uns kommen." Streetwork geht auf die Menschen zu, nimmt sich Zeit, auch ihre geringsten Probleme ernst zu nehmen und nach Lösungen zu suchen - flexibel und spontan. Ganz wichtig sind die Gespräche mit den Obdachlosen. Neben dieser Hilfe biete ich auch materielle Hilfe an, versorge die Obdachlosen mit gespendeten Rucksäcken, Schlafsäcken Gaskochern. Kurzum: all die kleinen Dinge, die das Leben auf der Straße erleichtern.

Hältst Du mit Gaskochern, Schlafsäcken und Wolldecken die "Penner" nicht auf der Straße?
Ich halte durch materielle Hilfe niemanden auf der Straße. Mit diesen Dingen wird für viele besonders im Winter das Überleben gesichert. Es sind andere Gründe, warum die wohnungslosen Menschen nicht in eine feste soziale Einrichtung gehen wollen. Und wenn wir keine Schlafsäcke oder Wolldecken ausgeben, klauen sie sich Versorgungsmaterial oder schlafen im Pappkarton. Die Erfahrung zeigt: Ohne diese Hilfe wird das Angebot der festen Häuser nicht stärker angenommen. Früher ist mancher Obdachlose im Winter erfroren, durch unsere Aktion seit Jahren keiner mehr.

Was sind Deine Ziele?
Mein erstes und langfristiges Ziel ist es, die Obdachlosen von der Straße zu holen. Dazu sind drei Säulen meiner Arbeit wichtig:
 1. Entzug vom Alkohol (Langzeittherapie)
 2. Eigener Wohnraum
 3. Eingliederung in den Arbeitsmarkt
 
Was sind das für Menschen, die Du betreust?
Man könnte sie einfach die "Verlierer der Gesellschaft" nennen. Doch das war nicht immer so. Keiner wird als obdachloser Mensch geboren. Viele von ihnen hatten einen guten, sicheren Beruf, waren verheiratet, hatten Kinder und waren gesellschaftlich anerkannt. Vom Bäcker über den Bauingenieur bis hin zum millionenschweren Weingutbesitzer findet man jede berufliche Schicht im Obdachlosenmilieu. Diese Menschen sind durch  Schicksalsschläge, wie etwa Beziehungsprobleme oder Trennung, Verlust des Arbeitsplatzes, Krankheit oder Tod eines Angehörigen  vom bürgerlichen Leben abgekommen. Für manche ist es selbstverständlich, dass Menschen aus solchen Krisen wieder heraus kommen. Aber das ist nicht so. Manche haben nicht genug Kraft und landen auf der Straße.


Warum sind diese Menschen obdachlos?
Fast alle wohnungslose Personen, die auf der Straße leben, sind auch  sehr labile Menschen. Zum täglichen, großen Alkoholkonsum kommen bei vielen auch psychische Störungen und Krankheiten. Je länger sie obdachlos sind, desto weniger Energie haben sie. Trotz guter Hilfsangebote fällt es ihnen schwer, aus diesem Teufelskreis heraus zu finden. Viele geben innerlich auf. Sie haben - auch durch die Alkoholsucht - keine Kraft mehr, ihr Leben zum Positiven zu wenden. Sich nach Jahren des Straßenlebens noch einmal gesellschaftlichen Strukturen anzupassen, ist fast ausgeschlossen.


Bereitet Dir die körperliche Nähe, die Du zulässt, keine Probleme?
Nein, überhaupt nicht. Denn je vorsichtiger und ängstlicher Du im Umgang mit Nichtsesshaften bist, desto eher fängst du Dir etwas ein. Nur keine Berührungsängste - obwohl für viele "Tippelbrüder" Wasser und Seife vielleicht nur einmal im Monat in Betracht kommen.

Diese Arbeit kann ganz schön an die Nerven gehen. Was tust Du zum Ausgleich?
Wenn Du bei diesem schwierigen Job nicht positiv denkst, gehst Du mit der Zeit kaputt. Positives Denken und viel aktiver Sport sind zwei wichtige Dinge bei meiner Straßensozialarbeit mit den Obdachlosen. Zum einen bin ich ein Lese-Fan der Bücher von Dr. Joseph Murphy, zum anderen mache ich seit zehn Jahren Leistungssport in der Leichtathletik und immer noch regelmäßiges Lauftraining oder bin mit dem Rennrad unterwegs. Ohne vernünftigen Ausgleich ist diese Arbeit auf lange Sicht nicht durchzuhalten.

Wann hast Du Feierabend?
Gute Frage! Feierabend ist dann, wenn mein Telefon nicht mehr klingelt. Ich stehe auch abends oder am Sonntag bereit, sobald ein Obdachloser Hilfe benötigt, ob materiell oder auch nur in Form eines Gespräches. Die Gewissheit, auch als "Penner" angenommen zu werden und immer ein offenes Ohr zu finden, ist für diese einsamen Menschen Gold wert.



Unser Spendenkonto: "Streetwork" Trier e.V. · Sparkasse Trier · BLZ 585 501 30 · Kontonummer: 23 26 700